Von der Kotzkatastrophe zum Weltenbummler: Unser Familienabenteuer in Istanbul
Es ist soweit: Nachdem unser Urlaub im Winter ausgefallen ist, fahren wir nun endlich eine Woche weg.
Auf der Fahrt nach Berlin wird Jannis das erste Mal im Leben so richtig schlecht. Er kotzt sich, mich und den Polo ordentlich voll. Also kurzer Stop zur intensiven Reinigung und schnell weiter zum Flughafen!
Das kann ja eigentlich nur besser werden! Mit Turkish Airlines fliegen wir von Berlin direkt in die 21-Millionen-Stadt Istanbul.
Im Flieger verschläft Jannis die Hälfte der Zeit und kommt daher kaum in den Genuss des frei verfügbaren Bildschirms inklusive bunter Zeichentrickfilme – schade! Aber wenigstens das Essen nimmt er noch mit.
Nach zehn Stunden von Tür zu Tür checken wir in unserem kleinen, familiengeführten Hotel am Rande der Innenstadt ein. Hier wird man uns umsorgen und Jannis täglich beschenken. Wir haben Blick auf die Blaue Moschee und gehen noch eine Abendrunde. Uns fällt das maritime Flair der Stadt auf: Möwen kreisen über uns, und eine leichte Frische vom Bosporus spüren wir auch bei 28+ Grad.
Unser erster voller Stadttag startet mit Börek, Çay und Ayran zum Frühstück.
Wir besuchen in der Woche gut zehn Moscheen, eine schöner als die andere! Alle offen zu besichtigen, mit freundlichen Gläubigen und herzlichen Begegnungen. Besonders angetan ist Jannis von den „Rufern“, die täglich fünfmal durch die Gassen der Stadt hallen.
Istanbul zeigt sich von seiner kinderfreundlichen Seite: Der Großteil der Stadt ist verkehrsberuhigt, es gibt viele Parks und Springbrunnen, eine tolle Promenade am Bosporus und so viele nette Menschen. Jannis wird gekniffen, umarmt, hochgehoben, geküsst und beschenkt. Nach kurzer Zeit bleibt er selbstbewusst vor den Lokumständen stehen und wartet nur darauf, dass die Verkäufer ihm etwas anbieten.
Istanbul ist wie ein riesiges Wimmelbuch. Bunte Souq-Straßen, Märkte und Plätze mit kleinen Verkaufsständen ziehen Einheimische und Touristen an. Überall gibt es Möwen und Katzen, die gefüttert und gestreichelt werden. Natürlich kaufen wir Jannis ein Eis inklusive typischer Showeinlage des Verkäufers. Ein weiteres Mal in unserer Woche möchte Jannis zu seinem Eisverkäufer, dann ist ihm die Sache doch zu aufregend und er wünscht „ruhiges Eis“ ;).
Mit der Fähre fahren wir über den Bosporus zum asiatischen Teil Istanbuls und haben einen wunderschönen Blick auf die Stadt.
Im Viertel Galata merken wir, wie hügelig und teils steil die Stadt bebaut wurde. Wir durchqueren Wohnstraßen vorbei an einer Demonstration. Auf einer großen Einkaufsstraße besuchen wir eine griechisch-orthodoxe Kirche – etwas skurril trifft hier die Moderne auf Vergangenes. So nähern wir uns dem Taksim-Platz und verschnaufen im Gezi-Park. Um wieder ans Ufer des Bosporus zu kommen, nutzen wir eine beliebte Attraktion. Die alte Straßenbahn fährt uns langsam und klingelnd den Hügel hinab. Jannis winkt und singt eifrig und begeistert so auch die Spaziergänger auf den Straßen.
Als kleine Zwischenmahlzeit essen wir gegrillte Sardinen, die wir am Vormittag in den Eimern der Angler sahen. Überall stehen ältere Männer mit ihren Angeln und verdienen sich so noch etwas dazu.
Dann laufen wir zurück ins Hafenviertel Eminönü und stellen uns die wichtigste Frage des Tages: Was sollen wir noch essen? Man kann gar nicht so viel Appetit mitbringen, wie es bräuchte, um diese endlosen kulinarischen Highlights zu probieren! Und wie viele Baklava-Läden zählt die Stadt überhaupt?
35.000 Moscheen und Gebetsräume gibt es jedenfalls in Istanbul – 23 haben wir besucht. Wir sind einfach hineingegangen, konnten teilhaben, fragen, rennen und ausruhen. Insbesondere mit einem Kleinkind waren sie kühle, ruhige Oasen im Gedränge der Stadt. Und so bleiben wir auch am Freitag einfach im Hof sitzen, während die Gläubigen zum Gebet erscheinen – völlig normal, völlig in Ordnung!
Am letzten Tag machen wir noch einmal alles, was uns besonders gefallen hat:
Noch einmal in die Blaue Moschee, noch einmal türkischer Kaffee auf einer Dachterrasse, noch einmal alles essen, was irgendwie reingeht.
Und dann ist die Woche auch schon wieder rum – wir müssen nach Hause. Und wir sind auch ein bisschen fertig. 15 bis 20 Kilometer sind wir jeden Tag gelaufen, Maik hat Jannis fast ausschließlich getragen ... und Jannis hat mal wieder bewiesen, dass er ein Weltenbummler ist.